Menschheit erwache und schau’ auf die Berge
Hier können Sie die 15 Gedichte von Leokadia Justman anhören, lesen und mehr zu ihrer Entstehung erfahren.

1Oh, komm’ in der Nacht
2Was ist geblieben?
3Spaziergang
4Im Traum
5Fata Morgana
6Warum?
7Es war im Mai
8Oh, wann?
9Das moderne Märchen vom heutigen Aschenputtel
10Die Augen
11Meinem Vater!
12Ave Pax
13Mein Brief
14Und die Toten werden auferstehen!
15Menschheit erwache!


Leokadia Justman verfasste im Innsbrucker Polizeigefängnis 1944 und nach ihrem Ausbruch bis zum Kriegsende im Mai 1945 Gedichte in deutscher Sprache.
Fünfzehn dieser Texte bereitete sie im Jahr darauf in Innsbruck zur Publikation vor. Sie wurden jedoch nie gedruckt und erst jetzt – 80 Jahre danach – in Archiven in New York und Washington DC wiederentdeckt.
Die meisten der Gedichte entstanden in Trauer um die ermordeten Eltern und Angst um das eigene Leben. Leokadias verzweifelte Lage zeigt sich auch im Titel der Gedichtsammlung: „Mit Blut und Leid“. Und doch sind die letzten, um das Kriegsende verfassten Texte von Zuversicht geprägt. Sie münden in den Aufruf: „Menschheit erwache!“ Mit Blick auf die Berge, die Sonne, das Gute, soll die anbrechende Friedenszeit gestaltet werden; mit Menschlichkeit und Recht.


Im Festsaal


An der Eingangsseite sind Gedichte ausgestellt, die Justman 1944 im Innsbrucker Polizeigefängnis schrieb. Leokadia sucht Trost in Träumen. Sie erinnert sich an die Deportation ihrer Mutter Sofia nach Treblinka am 16. Oktober 1942. Und sie fragt nach dem „Warum?“ von Verfolgung und Krieg.

An der Fensterseite sind Texte zu sehen, die nach dem Ausbruch, während der Zwangsarbeit in Lofer entstanden. Die Augen der dreizehnjährigen Mitgefange- nen Pauline lassen Leokadia ebensowenig los wie die Erinnerung an ihren Vater Jakob. Am 14. März 1944 hatte sie ihn in der Gestapozentrale in der Innsbrucker Herrengasse zum letzten Mal gesehen; am 25. April wurde er im Lager Reichenau ermordet.

An der Stirnseite stehen Gedichte, die um das Kriegsende verfasst wurden.
Im Mai erinnert sich Leokadia an ihre erste Liebe – Ryszard. Sie sehnt sich nach Frieden und ruft die Menscheit auf, zu erwachen.


Leokadia Justman
(Familienarchiv Wisnicki)